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Die Frage nach der perfekten Führungsmethodik ist seit jeher eine heiß diskutierte. Die Führung von Menschen ist ein hochkomplexer Vorgang und variiert von Situation zu Situation und von Person zu Person stark. Dies wird geprägt durch Führungsstile und letztlich einer entwickelten Führungsvision. Während das Verhalten Situationsbedingt ist, sollte der Führungsstil über einen längeren Zeitraum hinweg gefestigt und die darüberstehende Vision bekannt sein. Alles immer im Einklang mit den persönlichen Zielen, denen des Teams und letztlich des Unternehmens. Stets in der Balance mit den Fähigkeiten der Mitarbeiter und damit verbundenen Bedürfnissen und Wünschen.

Führungsstile werden dabei schon seit langer Zeit wissenschaftlich untersucht und beschrieben. Je nachdem wie viel Freiraum oder auch Entscheidungsspielraum der einzelnen Führungskraft zugesprochen wird, entspringen alle Theorien ähnlichen Mustern. Es gibt über die letzten Jahrhunderte hinweg viele gut beschriebene Führungsstile.

Grundsätzliche Unterscheidung in zwei Gruppen

Es hängt vom Entscheidungsspielraum der Führungskraft ab bzw. vom Entscheidungsspielraum der Gruppe oder des Teams. Grundsätzlich jedoch gibt es zwei Hauptausprägungen zu unterscheiden.

  • Autoritärer Führungsstil
  • Kooperativer Führungsstil

Während der Autoritäre Stil die Aufgaben sinnbildlich “von oben herab” verteilt, also stark autoritär, ist es beim kooperativen Führungsstil so, dass die Entscheidungen, bzw. Mitspracherechte oder auch die Problemlösungsprozesse auf die Gruppe übertragen werden, also nicht von “oben” herab vorgegeben sind.

Die sechs wichtigsten Führungsstile

Womöglich entwickelt sich bereits eine Vorahnung. Es gibt nicht den richtigen Führungsstil, aber vielmehr unterschiedliche Ausprägungen von Führung. Gehen wir ein wenig tiefer in die Unterscheidung, findet sich schnell in einschlägiger Literatur die Spaltung in vier große Gruppen. Der Soziologe Max Weber beispielsweise klassifiziert die Führungsstile in vier Hauptkategorien:

  • Autokratischer Führungsstil
  • Patriarchalischer Führungsstil
  • Bürokratischer Führungsstil
  • Charismatischer Führungsstil
  • Kooperativer Führungsstil
  • Laissez-fairer Führungsstil

Jeder Führungsstil bringt verschiedene Vorteile, Nachteile und Herausforderungen mit sich. Der Führungsstil in einem Unternehmen beeinflusst das gesamte Arbeitsklima, der einer Führungskraft wirkt auf die Teamleistung und das Projektergebnis ein. Denn der passende Führungsstil macht die Mitarbeiter motivierter und engagierter. Im Idealfall entwickelt sich eine intrinsische Motivation zu Höchstleistungen eines Einzelnen.

Zudem fühlen sich die Mitarbeiter mit ihrem Unternehmen verbunden und kündigen in der Folge seltener. Und spätestens das ist in Zeiten akuten Fachkräftemangels eine wahrliche Errungenschaft. Außerdem macht ein guter Führungsstil ein Unternehmen als Arbeitgeber attraktiver, was wiederum positiv auf das Employer Branding einzahlt.

Autokratischer Führungsstil

Wie in der Einleitung und in der vorigen Betrachtung beschrieben, ist auch der autokratische Führungsstil, welcher besser unter dem Begriff autoritärer Führungsstil bekannt ist, ein stark hierarchischer und diktierend geprägter Stil. Hier trifft die Führungskraft alle Entscheidungen. Die Mitarbeiter werden (so gut wie gar) nicht in den Entscheidungsprozess einbezogen werden folglich auch nicht nach ihrer Meinung oder ihren Ideen gefragt.

Vorteile

  • Entscheidungen werden schnell getroffen
  • Anweisungen sind klar und deutlich
  • Weniger Verantwortung für den einzelnen Mitarbeitenden
  • Strukturen klar hierarchisch
  • Dadurch eindeutige Zuständigkeitsbereiche

Nachteile

  • Keinerlei Entscheidungsspielraum führt zu weniger Motivation
  • Arbeitsklima starr und ungesund
  • Das Modell gilt mittlerweile als stark veraltet
  • Die Führungskraft muss ständig kontrollieren
  • Hohes Arbeitsaufkommen für die Führungskraft

Patriarchalischer Führungsstil

Ausgehend von den zwei Hauptunterteilungen, liegt dieser Führungsstil immer noch nah beim autoritären Stil. Der Hauptunterschied ist jedoch, dass sich die Führungskraft eher als Vater- bzw. Mutterfigur sieht und sich so verantwortlich für die Mitarbeitenden fühlt. Bei weiblichen Führungskräften spricht man übrigens vom matriarchalischen Stil. Führungskräfte, welche diesen Stil wählen, sind oft erfahrener und älter als die Kolleginnen und Kollegen.

Vorteile

  • Entscheidungen werden ebenfalls schnell getroffen
  • Anweisungen sind klar und deutlich
  • Weniger Verantwortung für den einzelnen Mitarbeitenden
  • Zuständigkeitsbereiche sind starr und eindeutig geklärt

Nachteile

  • Innovationskraft geht verloren
  • Mitarbeitenden fühlen sich zur Führungskraft verbunden, jedoch nicht zum Unternehmen

Bürokratischer Führungsstil

Die Bürokratie, so sagt man, sei des Deutschen Liebling. Nicht verwunderlich daher, dass es auch einen solchen Führungsstil gibt. Er ist, wie so vieles in einer bürokratischen Ordnung, durch klare Regeln und Vorgehensweisen geprägt. Jeder muss sich daran halten.

Vorteile

  • Durch klare Vorgaben entstehen weniger Fehlentscheidungen
  • Regeln sind klar und deutlich
  • Verantwortung liegt in den Regeln und weniger bei Führungskraft
  • Persönliche Befindlichkeiten spielen keine Rolle

Nachteile

  • Da die Führungskraft kaum Entscheidungen aus eigener Kraft trifft, geringe Motivation
  • Auch bei den Mitarbeitenden ist kaum Motivation vorhanden
  • Innovationen gibt es nicht
  • Entscheidungen durch enge Regelwerke haben kaum Spielraum

Charismatischer Führungsstil

Welche Person wird gemeinhin als charismatisch beschrieben? Genau: Motivierende Vorbilder, die überzeugen und Visionen geben. Und in dieser Rolle sehen sich Führungskräfte, welche diesen Stil anwenden. Sie sind dabei selbstsicher, kommunikativ und charismatisch. Erstmals erhalten Mitarbeitende mehr Entscheidungsspielraum und sogar eigene Verantwortung. Die Vorteile liegen dabei klar auf der Hand.

Vorteile

  • Hohe Motivation
  • Leistungsbereitschaft steigt
  • Bindung an das Unternehmen wächst
  • Kündigungsrate sinkt

Nachteile

  • Eine echte Führungspersönlichkeit (Persona) wird benötigt
  • Ausbeutung leicht zu überzeugender Mitarbeiter
  • Erste Ergebnisse erst nach längerer Zeit

Kooperativer Führungsstil

Während beim Charismatischen bereits erste Verantwortlichkeiten übertragen werden, ist es beim kooperativen Stil (auch bekannt als demokratischer Stil) noch viel weiter ausgeprägt. Die Entscheidungen trifft (meist) das Team. Jeder ist gefragt und eigene Ideen, Wünsche sowie Kritik und eigene Meinungen sind erwünscht und werden aktiv eingefordert. Delegation ist das Stichwort! Aufgaben und Verantwortungen werden an hierarchisch untergeordnete Mitarbeitende delegiert und sollen autark ohne Einwirkung der Führungskraft erledigt werden. Doch der damit einhergehende Kontrollverlust muss durch Persönlichkeit der Führungskraft mehr als ausgeglichen werden.

Vorteile 

  • Entlastung der Führungskraft
  • Hohe Innovationskraft
  • Deutlich höhere (Eigen-) bzw. Mitarbeitermotivation
  • Stärkeres Verantwortungsbewusstsein der Mitarbeiter
  • Teamgefühl wird gestärkt
  • Eigeninitiative und Kreativität gefördert

Nachteile 

  • Kontrollverlust und Fehlentscheidungen
  • Führungskraft kann schnell den Überblick verlieren
  • Längere Entscheidungsprozesse durch Diskussionen
  • Konkurrenzdenken unter den Mitarbeitern kann aufkeimen

Laissez-fairer Führungsstil

Man kann durchaus behaupten, dass dieser Stil heutzutage sehr weit verbreitet ist. Dieser Stil (französisch für “lass sie machen”) nimmt die Führungskraft fast gänzlich aus der Entscheiderrolle. Entscheidungen werden aus dem Team heraus getroffen. Führungskräfte müssen diese nicht einmal mehr genehmigen oder absegnen. Sie sorgen nur für eine gute Atmosphäre und dafür, dass keine Probleme entstehen. Falls doch, ist natürlich Eingreifen erforderlich. Doch bis dahin wird viel Weitsicht und Menschenkenntnis nötig sein.

Vorteile

  • Hoher Innovationsgrad
  • Kreativität der Mitarbeiter auf einem Höchstmaß
  • Teamgefühl

Nachteile

  • Der Druck auf den Einzelnen steigt
  • Kontrollverlust bei fehlerhaft besetzter Führungsstelle
  • Konkurrenzdenken keimt auf
  • Zuständigkeiten nicht mehr geklärt

Aber welcher Führungsstil ist nun der Optimale?

Die Antwort auf die Frage ist einfach und doch sehr schwer. Es gilt der Leitsatz: Es kommt darauf an. Dieser Satz ist in modernen Führungsrollen als weiterer Führungsstil bekannt, der nichts anderes bedeutet wie: Das richtige Reagieren auf die jeweilige Situation. Gemeint ist der situative Führungsstil.

Die innere Kündigung der Mitarbeitenden

Es ist bekannt, dass die meisten Menschen wegen schlechten Führungskräften kündigen.

Fehlerhaftes Verhalten der Führungskräfte

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Stetige Reflektion

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Führungstrainings als hervorstechender Faktor

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Moderne Führungsstile

Situativer Führungsstil

Hier geht es konkret um die Stärken und Schwächen des einzelnen Mitarbeitenden. Verantwortung wird nach sogenannten Reifegraden erteilt und wächst, je nach Dauer der Betriebszugehörigkeit und wird unter Umständen auch daran bemessen, wie lange der Mitarbeiter schon im Projekt oder der Abteilung ist. Der Erfahrungslevel korrespondiert mit den jeweiligen Reifegraden.

  • Reifegrad 1: Diktieren und vorgeben
  • Reifegrad 2: Trainieren und Freiraum geben
  • Reifegrad 3: Partizipieren und motivieren
  • Reifegrad 4: Delegieren und Eigenverantwortung

Richtungsbezogener Führungsstil

In diesem Stil gibt es grundsätzlich zwei Unterscheidungen.

Sachorientierung: Hier steht das Produkt und die Prozesse im Fokus. Es zählen fachliche Leistungen und Ergebnisse. Darum ist damit einhergehend auch eine positive Entwicklung einzelner Teammitglieder unabdingbar. Führungskräfte dieser Prägung holen sozusagen das Beste aus ihren Mitarbeitern heraus

Personenorientierung: Der Fokus liegt ganz klar beim Menschen. Beziehungen wirken sich positiv auf das Arbeitsklima aus, welches eine problemlösende Atmosphäre erzeugt.

Führung nach Zielen, Regeln und Erwartungen

Eine weitere Führungsmethodik wurde stark durch den US-amerikanischen Raum geprägt und trägt daher auch einen englischsprachigen Titel. Die Rede ist von der sogenannten “Management by…” Technik. Sie unterscheidet je nach Situation und unterteilt dabei in die Kategorien “Ziele”, “klare Regeln” und “Erwartungen”.

Management by objectives

Es zählt das Erreichen des Ziels – egal wie. Jeder Mitarbeitende entscheidet selbst, welcher Weg dabei gegangen werden muss.

Management by decision rules

Bestimmte (Entscheidungs-)Aufgaben werden an Mitarbeitende delegiert, bei klar definierten Regeln. Es wird als der Rahmen gesteckt, wie genau das Ziel erreicht wird ist auch eher im Hintergrund zu sehen.

Management by exception

Man kann es als Weiterentwicklung des Management by Decision Rules sehen. Denn bei (notwendiger) Überschreitung der Regeln, wird die Führungskraft aktiv.

Stetige Veränderung und Entwicklung

Durch die VUKA-Welt offenbart sich ein großes Problem: Nämlich ein schnelllebiges Umfeld. Daher ist es nicht mehr damit getan, sich den einen Führungsstil anzueignen. Während der Anfang der industriellen Revolution noch durch stark autoritäre Führungsstile geprägt war, ist dieser Stil spätestens durch die Gen-Z endgültig überholt. Daher gilt es den Anforderungen der modernen Arbeitsgesellschaft Rechnung zu tragen und sich dabei kontinuierlich und stetig weiterzuentwickeln.

Regelmäßige Selbstreflexion

Es ist der Schlüssel zur erfolgreichen Führung und zugleich ein immerwährender Prozess. Eine erfolgreiche Selbstreflektion. Dabei ist jede Führungskraft unterschiedlich veranlagt bzw. braucht andere Kernthemen der regelmäßigen Reflektion.

Innere Überzeugung

Dadurch festigt sich die innere Haltung, aus welcher dann eine Überzeugung wird. Letzteres ist auch das Ziel innovativer und moderner Führungskulturen: Überzeugen. Die Führung von Menschen ist ein enorm anspruchsvoller und komplexer Prozess, der durch einseitige Führungsstile nicht zu managen ist. Es ist heute wichtiger denn je eine Führungsperson zu werden, als es noch in der Vergangenheit der Fall war.

Unerfahrene Führungspersönlichkeiten führen schnell zu hohen Schäden im Betrieb, inneren Kündigungen der Mitarbeitenden sowie schlechte Prozesse und Arbeitsleistung führen.